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Der Libanon in der Bibel

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Weine aus Byblos, Tyros und Sidon

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Die Weingötter des Orients

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Die Weingötter des Orients


Zu den religiösen Vorstellungen vergangener Tage gehörte in der Regel die Vergöttlichung von Naturgegebenheiten, bzw. der Erlebnisse der Fruchtbarkeit. Das Werden und Vergehen in Natur, Fauna und Flora und im menschlichen Leben wollte gedeutet werden, um es zu "verstehen". Vielfach kam es in diesem Prozess zur Differenzierung des Erlebten und darin zur Personifizierung eines Vorgangs in einer göttlichen Person. So wurden, in unterschiedlichsten Ausprägungen, auch die Weingötter.

Phönizien: Melkart
Der phönizische Gott Melkart ging einmal mit seinem Hund am Strand des Mittelmeeres entlangt - tief im Gedanken. Er suchte ein passendes Geschenk für seine Geliebte. Plötzlich kam der Hund mit einer zerbissenen Meeresschnecke im Maul zu seinem Herrn, die Lefzen tiefrot verfärbt. Melkart erkannte den Zusammenhang sofort und färbte für seine Liebste ein Gewand mit dem Saft der Schnecken - der Purpur war entdeckt. Das war aber nicht die einzige Heldentat des phönizischen Gottes. Als Stadtgott von Thyrus war er auch Gott des Weines. Die Stadt, später mehr bekannt durch die ihr vorgelagerte Insel, entwickelte sich am Meer, in einer Landschaft in der alle Voraussetzungen für hervorragende Landwirtschaft gegeben waren. Der Sonnengott Melkart war nun der, der durch seine Kraft, die Sonne, dort Obst, Zuckerrohr und vor allem Wein wachsen ließ. Als eher lokal und regional angesiedelter Gott war er eine Erscheinungsweise des Fruchtbarkeitsgottes Baal. Baal war ein Wettergott, der Wind, Wolken und Regen beherrscht. Indem er die Dürre beendet, ist er Spender der Fruchtbarkeit. Texte aus dem weit nördlicher, ebenso am Meer gelegenen, Ugarit, beschreiben dort den für Wasser, Brot, Wein, Öl, Kräuter (Nahrung für das Vieh) und ihr Gedeihen verantwortlichen Gott, der in einer bäuerlichen Kultur von besonderer Bedeutung ist. Nach ihm nannten die Phönizier, ein Volk von hervorragenden Seefahrern, die Straße von Gibraltar »Säulen des Melkart. In späteren Zeiten wurde er oft in der griechisch-römischen Welt mit Herakles gleichgesetzt. Die Phönizier nahmen ihren Gott mit nach Nordafrika und verehrten ihn auch dort in den neu geschaffenen Kolonien. Dass dem Gott dann, unter dem Namen Moloch, blutrünstige Menschenopfer angedichtet wurden, die vor ihrer Opferung auch noch mit Wein übergossen wurden, dürfte eher der strategisch animierten Polemik der verfeindeten Römer zu verdanken sein, denn der historischen Realität.

Südkanaan (Juda): Äškol
Der kananäische Weingott Äškol wurde im fruchtbaren Gebiet um die Stadt Hebron von den bereits sesshaft gewordenen Stämmern verehrt. Der Name des Gottes bezeichnet eigentlich das Fruchtbüschel der Traube. Zeugnisse zu dieser Gottheit sind außerordentlich rar. Indirekt kann man auf seine Verehrung schließen: In der Bibel, im Buch Numeri 13, 23-24 ist von Josua und Kaleb zu lesen. Sie waren zwei von insgesamt zwölf Kundschaftern, die von Mose ausgesandt worden waren, um das Land Kanaan zu erkunden. "Und sie kamen bis in das Tal Eschkol und schnitten dort eine Weinranke mit [nur] einer Traube ab und trugen sie zu zweit an einer Stange, auch Granataepfel und Feigen. Diesen Ort nannte man Tal Eschkol wegen der Traube, die die Soehne Israel dort abgeschnitten hatten." In späteren Tagen wird die Gegend als das Traubental immer wieder benannt.
Auch in der Abrahamserzählung taucht der Weingott indirekt auf. Der biblischen Überlieferung nach, wurde Hebron in den Tagen Abrahams erbaut. Erbauer war ein Viererbündnis das der Stadt auch den Namen gab: "Vierstadt" (qiriat ha arba). Nun ist die biblische Erzählung an dieser Stelle weniger ein historischer Bericht, denn eine Äthiologie früher Tage, die erklären will wieso etwas so ist, wie es ist. So ist auch Abram weniger eine konkrete historische Person, denn eher ein Begriff für einen Ahnvater einer Sippe für die er, in noch früheren Tagen, wohl sogar göttliche Bedeutung hatte, bis er im Laufe der Zeit zum Idealmenschen typisiert war, der im Glaubensgehorsam gegenüber "seinem Gott" vorbildhaft ist. Man  darf annehmen, dass Abram vor Ort ein lokales Heiligtum hatte, wie auch Mamre "seinen" Hain als Lokalheiligtum hatte. Äškol/Eschkol wurde im Kontext der Weinernte verehrt.

Arabien: Orotalt / Dushares
Der griechische Historiker Herodot († 425 v. Chr.) erwähnt in seinen Historien die arabischen Gottheiten Orotalt und Alilat und setzt sie mit Dionysos und Aphrodite Urania gleich. Ob Orotalt tatsächlich eine eigenständige arabische Gottheit neben anderen war, lässt sich nicht verifizieren. Eher wahrscheinlich ist es, dass es sich um einen Eigennamen des arabischen Gottes Dushares handelt, der als Hauptgott arabischer Stämme bis in die Zeit der Nabatäer hinein Verehrung fand und auch als Weingott des nabatäischen Götterhimmels fungierte. Der Terminus Orotal(t) hängt zusammen mit dem arabischen R?da und meint wohl die genauere Bezeichnung der geographischen Verortung der Gottheit "der von Shara", so wie JHWH der Eigenname "des (Gottes) vom Berge Sinai" ist. Dabei ist Orotal die maskuline Form des Namens. So deutet die feminine -(a)t-Endung an, dass auch diese Gottesvorstellung in späterer Zeit vom Weiblichen zum Männlichen mutierte. Dushares / Orotalt war wohl "Urrat-ilat", Göttin der Sonne, die Leben spendete und die durch die Geschichte mehr und mehr Eigenschaften in sich aufsog, wie alle Götter jener Tage. Und irgendwann wurde sie Mann.
In der Region, nördlich der nabatäischen Hauptstadt Petra, in der Region Seil Batha wurden zahlreiche Weinpressen gefunden; in Beidha, Atnub Ddeye und Ba`aja I , nahe dem Wadi Umm el-Hiran. Zum Teil waren diese Weinpressen noch in einem sehr guten Erhaltungszustand mit runden Tretbecken, Abflussschacht für Most und Klärbecken. Das lässt darauf schließen dass in der einst, im Vergleich zu heute, weit fruchtbareren Region, intensiv Weinbau betrieben wurde. Zudem belegen die Ausgrabungen von Petra, dass die Nabatäer sehr gut Wasserwirtschaft betrieben und deswegen wohl auch in der Lage waren eventuell nötige Bewässerungen ihrer Weingärten zu realisieren. In der stark an den Ahnen ausgerichteten Religion der Nabatäer spielten zudem rituelle Feiern, bei denen mehrfach Wein, konsumiert wurde eine bedeutsame Rolle. Doch auch das offizielle Königshaus scheint einen entsprechenden
Verbrauch an Wein gehabt zu haben. Strabo, der Geograph berichtet in seinem Geographikon Band XVI, 4,25-26 „Der König hält viele Trinkgelage in prächtigem Stil, niemand aber trinkt mehr als elf volle Becher, jeden aus einem anderen goldenen Pokal.“

Sumer: Gestin(anna)
Ursprünglich stammt der Wein von einer Göttin ab, jedenfalls bei den Sumerern. 2700 v. Chr. wird eine Weingöttin in sumerischer Schrift zum ersten Mal erwähnt. Die Beschützerin der sumerischen Weinreben ist die Göttin „Gestin“, was übersetzt soviel wie „Mutter Weinstock [amma gestin] - Göttin der himmlischen Weinreben“ bedeutet. Wein wird in dieser Zeit und Kultur mit dem Namen der Göttin und seiner Funktion benannt: so ist GESTIN KU = süßer Wein oder GESTIN GIBIL = neuer Wein, oder auch als Mischwein z.B. KAS GESTIN, Wein mit Wasser und Honig gemischt..
Eine weitere sumerische Gottheit war Pa-gestin-dug, übersetzt „guter Weinstock“. Seine Frau „Ninkas“ war, übersetzt, die „Dame der trunken machenden Frucht“. Auch hier fällt auf, dass die Göttin Ninkas, die auch die Göttin der Braukunst war, zunächst als weibliche Gottheit, später dann als männliche Verehrung empfängt. Allein aus der Dreizahl der  Götter/Göttinnen im Kontext Wein kann geschlossen werden, dass die Sumerer eine ausgeprägte Weinkultur pflegten und Wein eine sehr bedeutsame Rolle in ihrem Leben spielte. Noch deutlicher wird das beim Blick auf die Schrift. Das Schriftzeichen der Sumerer für Leben war das Weinblatt.
Im berühmten Gilgamesch-Epos wird berichtet, dass der Held Utnapischtim, der „babylonische Noah“, die Arbeiter beim Bau der Arche durch Wein zu motivieren suchte. Gilgamesch selbst, auf seiner Suche nach dem Leben, trifft die Göttin Sabitu (akkadisch: Siduri), die als „Gebärerin des Weins“, die Verkleidung einer Wirtin trägt und so, in dieser Rolle, den Göttern den Wein der
Unsterblichkeit spendet.

Ägypten: Osiris / Hathor
Der ägyptische Weingott war Osiris, auch wenn der Wein selbst zuweilen Tränen des Horus oder Schweiss des Ra, des Sonnengottes, genannt wurde. Die Verbindung mit dem Weinstock ist seit der Zeit der Pyramidentexte nachweisbar. Er war auch der Lehrer des Weinbaus. In ägyptischen Grabkammern aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend finden sich eindrucksvolle Szenen aus dem Winzerleben . Wein hatte Bedeutung in Opferkulten und als Grabbeigabe. Die enge Beziehungen vom Wein zur Götterwelt sind in verschiedenen Texten belegt. Der Totenherrscher Osiris galt als „Herr der Weinbereitung“ oder auch „Herr des Weines im Überfluß“.
Das Auspressen der Trauben, dessen Ergebnis in der Spätzeit als "Gottesblut" bezeichnet wurde, wurde in Analogie gesetzt zum Zerstückelungstod des Osiris. Religionsgeschichtlich könnte hier der Ursprung eines sich zeichenhaft im Wein hingebenden Gottes liegen (vgl. christliche Abendmahlsvorstellung). Den Toten wurde Wein z.T. in großen Mengen mit ins Grab gegeben, nicht nur um sie zu versorgen im Jenseits, sondern auch als Symbol für das Leben. Denn Osiris gilt als Gott der Toten, als Symbol der Auferstehung und des ewigen Lebens. In der Summe spielte Wein in der Kultur und in der Religion Ägyptens eine außerordentlich bedeutsame Rolle. In den Pyramidentexten wird der Himmel als göttlicher Weingarten beschrieben. Wein ist göttliche Nahrung und das Getränk der Toten im Jenseits. Schon am Eingang zu Dat (Duat = Jenseits) wird der Tote mit Wein und Milch überschwemmt. Der Begriff "grünes Horusauge" wird zum Synonym für Wein schlechthin. Enthaltsamkeit von Wein ist im Kult Ägyptens nicht belegt.
Die Göttin Hathor, „Herrin der Weinkrüge“, stand für Musik, Tanz, Lebensfreude und Trunkenheit. Sie wohl zu stimmen und zu besänftigen bedurfte es Weinopfer, zu ihren Ehren wurde alljährlich das Fest der Trunkenheit gefeiert, Weintrinken als Gottesdienst also! Das Hathor-Fest (auch „Kleines Bastet-Fest der Trunkenheit”) wurde im Alten Ägypten jährlich zur Zeit der Sommersonnenwende und der Nilschwemme ausgerichtet. Im „Mythos von der Himmelskuh” nimmt Hathor als Trägerin vom Auge des Re eine herausragende Rolle in der ägyptischen Mythologie ein: Ihr Vater Re gab ihr den Befehl, als Auge des Re die rebellierende Menschheit zu töten. Wenig später bereute Re seinen Entschluss und hielt Hathor mit einer List vom Vorhaben ab: er macht sie betrunken. Froh über den Erfolg befiehlt Re im weiteren Verlauf, dass in Zukunft am Fest der Hathor alkoholische Getränke bereitet werden sollen. Der Göttin Hathor wurde unter anderem – Wein in Krügen – geopfert, galt doch dieses alkoholische Getränk als Symbol des Blutes und der Kraft der Wiederauferstehung nach dem Tode. So wurde Hathor auch „Herrin der Trunkenheit“ genannt. Nicht nur in Ägypten, sondern auch in vielen anderen Ländern wurde Hathor verehrt. In Byblos erkannten die Ägypter schon in früher Zeit die dort ansässige Ortsgöttin als ihre Hathor wieder. Die Einwohner von Byblos übernahmen im Laufe der Zeit diese Ansicht und so wurde auch im weit entfernten Byblos (im heutigen Libanon) die ägyptische Göttin Hathor verehrt. Im Sinai war sie die Schutzpatronin der dortigen Arbeiter und der Bergwerke, in denen Türkis, Malachit und Kupfer abgebaut wurde. Sie galt als die "Herrin von Punt" (eventuell das heutige nördliche Eritrea) und im südlich gelegenen Nubien war die Göttin ebenfalls bekannt und beliebt.
Aber auch Isis wird vereinzelt als Göttin des Weins verehrt, ebenso wie Schesemu, die vergöttlichte Weinpresse und zugleich Keltergott. Der Göttin Renenutet wird anlässlich der Weinernte Wein als Erstlingsgabe dargebracht.

Persien: Saurva
Im Zoroastrismus Persiens standen den sieben höchsten Geistern im Reich des Lichts, Amesha Spentas, sieben Erzdämonen gegnüber. Saurva ist der Erzdämon der Missregierung, Anarchie und Trunkenheit. Er ist der ewige Erzfeind von Shahrevar und einer der Daevas des Ahriman. Ahriman ist der Herr über 9999 Krankheiten und Gott der Finsternis, der in der Unterwelt lebt. Er ist der Führer der Daevas und Drujs. Sein Symboltier ist die Schlange.  Daevas waren nach der Auffassung Zarathustras noch Götter, die abzulehnen sind, weil diese zwischen Wahrheit (asha) und Lüge (druj) nicht unterscheiden können. Im iranischen Mythos entstammen die Weintrauben dem Blut des erschlagenen Urstiers Geush-Urvan. Diese mythologischen Momente stellen den Wein so auf die Seite des Negativen, der die ständig notwendigen Bemühungen das Richtige zu tun, untergräbt. Sein Gott (Geist) ist ein Unterweltgott, der dem Streben nach dem Licht hinderlich im Wege steht. Noch der Hl. Augustinus überliefert, dasss die Anhänger Zoroasters den Wein für die Galle des Fürsten der Finsternis gehalten haben.
Das steht im Gegensatz zu anderen, allerdings späteren, persischen Überlieferungen in denen der Wein als offizielles Getränk hohes Ansehen genoss. Die edelsten Weine des alten Persiens waren diejenigen von Ariana (Iran), Bactriana (Turan), Hyrcania (Masenderan) und Margiana (Chorassan), deren Ruf noch durch das ganze Mittelalter sich zieht, bis er sich in den — imaginären — Brennpunkt des Schirasweines vereinigt. Auch wird überliefert Zoroaster selbst habe das für den König vorgesehene Darunopfer mit Wein dargebracht, dann selbst vom Opferwein getrunken, um diesen dann an den König weiter zu reichen, der so in einen dreitägigen Schlaf verfiel in dem seine Seele in den Himmel erhoben wurde und ihm sein für ihn dort bereitgestellter Platz bei Gott offenbart wurde.
Man nimmt an, dass der Zoroastrismus zu unterschiedlichen Perioden der persischen Geschichte, je im Kontext anderer gesellschaftlicher und politischer Interessen, sehr verschieden gesehen und auch unterschiedlichen Stellenwert besaß.

Die Griechen und die Römer: Dionysos / Bacchus
Dionysos ist in der griechischen Götterwelt ein Gott des Weines, der Freude, der Trauben, der Fruchtbarkeit und der Ekstase. Er wurde von den Griechen und Römern wegen des Lärmes, den sein Gefolge veranstaltete, auch noch Bromios (Lärmer), Bakchos oder Bacchus (Rufer) genannt. Mit der Eroberung des Orients durch Alexander den Großen kam der Glaube an den weingott auch in die Region und verband sich dort mit vorhandenen Vorstellungen.
Von Dionysos erzählt man sich, dass er, der Sohn des Zeus und der Semele, nach dem Tod der Mutter von Zeus bis zur Geburt im Schenkel ausgetragen wurde. Semeles Schwester Ino und die Nymphen von Nysa pflegten Dionysos in seinen ersten Jahren. Die Nymphen waren junge hübsche Mädchen, die sich mit Tanz, Gesang und Spiel beschäftigten. Dionysos vermählte sich mit Ariadne. Seine Weingelage und seine Weinorgien führten ihn bis nach Indien. Seine Gegner hat er stets vernichtet.
Der aus dem barbarischen Thrakien stammende Dionysoskult war ein für primitive Ackerbaugesellschaften typischer Kult der Fruchtbarkeit. Dionysos stand in enger Beziehung zu den Kulten der Großen Mutter bzw. der "Herrin der Tiere", der Kybele und ähnlicher weiblicher Gottheiten. Dionysos ist der in solchen Kulten typische Lustsklave der Großen Mutter. Während der Verfallsperioden der klassischen griechischen Kultur konnte sich sein Kult ausbreiten und wurde später im gesamten Griechenland als Kult der Natur gefeiert.
Die Dionysosfeste unterteilten sich in verschiedene spezielle Feste. Beim Agrionia-Fest zum Beispiel opferten Bachanten oder Mänaden, die sich ganz ihrem Gott Dionysos hingeben, einen jungen Menschen. Ähnliches geschah beim Fest der Weinpresse, dem Lenäa-Fest oder beim Athesteria-Fest Ende Februar.
Der Dionysoskult stieß in Griechenland zunächst auf großen Widerstand und Ablehnung. Seine Verfechter drohten damals der Sage nach allen Herrschern Griechenlands und ihren Familien die härtesten Strafen für den Fall an, daß sie seinem Kult den Zugang verwehrten. So stürzte der Gott zum Beispiel in Orchomenos und Theben mit einem proletarischen Mob die "alte Ordnung" und zerstörte die bis dato herrschenden Familien.