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Weinhandel der Phönizier

Das Volk der Phönizier (Sidonier/Tyrener) hatte frühzeitig mit dem Weinbau in der Region des heutigen Libanon und der Küstenregion des heutigen Syrien begonnen. Aber nicht nur damit. Der Handel mit Holz, die Herstellung von purpurfarbenen Stoffen, von Metall- und von Glaswaren machten sie rasch zu einem der mächtigsten und einflussreichsten Völker im Mittelmeerraum. In der phönizischen Sage vom Werden des Menschengeschlechtes wird bereits davon berichtet, dass der zu Tyrus lebende Usous sich mit einem rohen Baumstamm hinaus wagte auf das offene Meer und so die Grundlage schuf für die phönizische Schifffahrt, welche Basis allen Handels dieses Volkes werden sollte. Alte semitische Texte [Sprüche Achikars, Siegelbewahrer Sanheribs]bereits vergleichen die Seefahrer und die Wüstenbewohner der Region und betonen die Seefahrerkünste der phönizischen Händler, wenn es heißt: „Wenn du dem Araber das Meer und dem Sidonier die Wüste zeigst, dann wird der Araber Kamele auf dem Wasser weiden und der Sidonier Schiffe in der Wüste rudern.“

Der Handel von Tyros und anderen phönizischen Städten erfasste das gesamte Mittelmeerbecken und den Westatlantik von den Kanarischen Inseln bis Britannien. Der Handel wurde gestützt auf eine Vielzahl von Handelsfaktoreien an den Küsten. Dauerhafte Siedlungen und Kolonien wurden nur ausnahmsweise gegründet vor allem in Nordwestafrika. Die bedeutendste Gründung war Mitte des 8. Jahrhunderts vor Christus Karthago.

So brachten sie den Wein auch in ihre Kolonien in Nordafrika. Karthago wurde mit Weinbergen kultiviert; um die Stadt herum gab es blühende Weingärten. Als erster Gelehrter im gesamten Mittelmeerraum berichtet der Karthager Magon (um 500 v. Chr.) in seinem 28-bändigen Werk "De re rustica" über eingehende Studien der Landwirtschaft und des Weinbaus in punischer Sprache. Der griechische Geschichtsschreiber Diodorus Siculus (90-21 v. Chr.) beschreibt, auf der Basis der von ihm vorgefundenen Überlieferungen, die karthagische Landschaft im vierten Jahrhundert vor Christus voller Reben und Oliven, vor allem im Bagradas-Tal, einem landwirtschaftlich intensiv genutzten Flusstal und im Süden des heutigen Tunesien. Kriege wurden später geführt um die Vorherrschaft in diesem Teil der Welt, die schließlich die Römer gewannen und sich das Land untertan machten. Hier entstand die Kornkammer Roms und hier wurde in der Zeit der römischen Herrschaft massiv Weinbau betrieben, der als fertiges Produkt in riesigen Amphoren mit Galeeren über das Meer nach Sizilien und weiter in die römischen Provinzen im Norden transportiert wurde.

Da die Phönizier sehr früh die Bedeutung des Handels für sich entdeckt hatten, brachten Sie durch eben diesen, den Weinbau auch in andere Regionen des Mittelmeerraumes. Es darf angenommen werden, dass es die Phönizier waren welche die Weinrebe in das Gebiet des heutigen Marokkos brachten. In Spanien war der Weinbau wohl bereits im 4. Jahrtausend vor der Zeitenwende bekannt. Doch als die Phönizier um ca. 1100 vor der Zeit den Hafen Gadir, das heutige Cadiz, gründeten verstärkte sich durch sie der Weinbau auf der iberischen Halbinsel.

In altägyptischen Quellen werden die Phönizier unter der Bezeichnung Fenchu erwähnt. Der Ausdruck Fenchu stand unter anderem mit den ihnen handelnden Inseln der Ägäis in Verbindung: Inseln der Fenchu, so eine These. Eine andere vermutet hinter der Bezeichnung „die beiden Länder der Fenchu“ ein Synonym für die Region des heutigen Syrien und des weiteren für den Bereich Mesopotamiens. Letzteres dürfte mehr Wahrscheinlichkeit auf sich ziehen zu können. In diesem Sinne wird die Bezeichnung bereits im altägyptischen Roman Sinuhe verwendet, der davon berichtet, dass im Land der Fenchu und in Jaa (alte ägyptische Bezeichnung für Palästina) mehr Wein als Wasser zu finden sei. Auch die in den Gräbern von Pharao Skorpio I. und Pharao Tut-Anch-Amun gefundenen Reste von Weinamphoren deuten durch ihre Form auf eine Herkunft aus dem Reich der Phönizier hin.

In den biblischen Traditionen begegnen uns die Sidonier mit unterschiedlichen Überlieferungen. Einerseits werden sie geschildert als eine Art Versuchung für Israel, verbunden mit der Absicht das jüdische Volk von seinem Glauben abzubringen, weshalb vor ihnen zu warnen ist (vgl. die Ehe von Ahab mit Isebel: „Er nahm Isebel, die Tochter Etbaals, des Königs der Sidonier, zur Frau, ging hin, diente dem Baal und betete ihn an“ (1Kön 16,31), andererseits erscheint sidonisches Leben als „ruhig und sicher. Es gab niemand, der Schaden anrichtete im Land, keinen Eroberer und keine Unterdrückung.“ (Ri 18,7)

Auch wenn die Bibel die Phönizier auf dem Hintergrund unterschiedlicher religiöser Vorstellungen meist schlecht wegkommen lässt, so anerkennt sie unzweifelhaft die Fähigkeiten der Sidonier (nach der Rückkehr Israels aus dem persischen Exil mehrheitlich Tyrener genannt) als Seefahrer und als Händler. Ein sehr schöner Text, der seine Bewunderung für diese Fähigkeiten nicht verbergen kann ist z.B. in der „Totenklage über Tyrus, das prächtige Schiff“ im Buch Ezechiel, Kap. 27 zu finden. Zu Zeiten der Könige David und Salomon allerdings scheinen intensive Handelsbeziehungen bestanden zu haben.

Mit dem Aufkommen der Schifffahrt der Griechen erwächst den phönizischen Händlern eine ernst zu nehmende Konkurrenz. Nach der Monate dauernden Belagerung der Stadt Tyrus durch Alexander den Großen und der Einnahme der Stadt beginnt der wirtschaftliche Abstieg des phönizischen Handelsimperiums im Raum der Levante. Als Punier in Karthago können sie allerdings noch lange eine bedeutsame Rolle im Handel über das Mittelmeer spielen.