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Weine aus Byblos, Tyros und Sidon

Byblos war in der Antike einer der zahlreichen phönizischen Stadtstaaten. Es wird vermutet, dass sie zumindest 7.000 Jahre alt und damit eine der ältesten kontinuierlich bewohnten Städte überhaupt ist. Bei Ausgrabungen wurde deutlich, dass es hier bereits vor 5.000 Jahren eine Weinbaukultur gegeben haben muss. Die Weine aus Byblos waren einst sehr begehrt. Schon die Griechen wussten, dass die besten Weine aus Byblos, von der Küste der Levante, kamen und sie nannten diese Weine, die sie in ihre Kolonien nach Syrakus und Thrakien exportierten „Wein von Byblos“. Der griechische Dichter Hesiod (ca. 750-680 v. Chr.) trank nach eigenen Worten gerne einen „Byblos-Wein“. Aischylos baut den Wein aus Byblos sogar in sein 472 vor Christus uraufgeführtes Tragödienwerk „Die Perser“ mit ein, das wohl älteste erhaltene Drama der Welt. Philon von Byblos (ca. 70-138) berichtet in seiner Geschichte der Phönizier von der, dem Wein verfallenen Gattin des Königs Barkas von Byblos. Da der König sich keinen Rat mehr wusste, sandte er einen Boten zu Weisen, um Rat einzuholen, damit er seine Frau Rebräa von ihrer Sucht wieder abbringen könne. Bis allerdings der Bote mit dem Rat der Weisen (die Sucht aus der Frau zu prügeln) zurückkam, war die Gattin an den Folgen ihres unmäßigen Trinken bereits verstorben. Weine der Region wurden nach Ägypten ebenso exportiert wie auch nach Persien. Die Phönizier aus Byblos vertrieben ihren Wein aber auch in ihre eigenen Kolonien, nach Karthago und in den Süden Spaniens.

In späteren Tagen wussten auch die Römer sehr wohl die Weine aus Byblos oder aus Tyros zu schätzen.

Nach der Zeitenwende siedelten immer häufiger Kaufleute aus der Levante sich in Griechenland, Italien und einigen Regionen Nordafrikas an und förderten damit den Handel. Mehr und mehr wurden Waren aus dem heutigen Nahen Osten zu begehrten Waren im Westen, was dazu führte, dass durchaus eine gewisse Prosperität für einige Gesellschaftsschichten blühte, darunter auch für Weinhändler.

Die die phönizische Bezeichnung für Tyros bezeichnet im Nordwestsemitischen einen Felsen; dieser Name dürfte mit der Lage der historischen Stadt, quasi als Insel, zusammen hängen. Im Umland – der Küstenregion – wurde ebenfalls früh bereits Wein angebaut und gekeltert. Aufgrund seiner besonderen geographischen Lage war Tyros eines der bedeutenden wirtschaftlichen Zentren im östlichen Mittelmeerraum. Obwohl die Levante früh schon ein Vasall des neuassyrischen Reiches wurde, blieb auf dem Hintergrund des wirtschaftlichen Erfolges im Handel, auch mit Wein, eine gewisse Selbständigkeit der Region. Erst als man unter der Vorherrschaft Babylons, wie es auch die umgebenden Staaten versuchten, probierte, den Aufstand zu wagen, wurden die Maßnahmen der neuen Herren aus Babylon strenger, was zu ersten Einbußen im Handel führte. Dafür aber entdeckte König Nebukadnezar, der Tyros 13 Jahre lang belagert haben soll, den Wein aus Tyros und importierte ihn in seine Hauptstadt. Möglicherweise spiegelt die Erzählung vom Gastmahl Belschazzar`s im Buch Daniel (Kap. 5) mit dem berühmten Spruch „Mene mene tekel u-parsin. - Gezählt hat Gott die Tage deiner Herrschaft und macht ihr ein Ende. Gewogen wurdest du auf der Waage und zu leicht befunden. Geteilt wird dein Reich und den Medern und Persern gegeben.“ indirekt die Freude des Königs am Wein aus der Levante.

Noch im Mittelalter waren die süßen Weine aus Tyros und Sidon sehr beliebt. Im 13. Jahrhundert gehörte lange Zeit das Gebiet zu Venedig und Wein wurde von hier in viele europäische Länder verschifft. Die Venezianer unterhielten mit vielen Küstenstädten der Levante intensive Beziehungen. In der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts dürften allein für Venedig mehr als 3.000 Schiffe auf Handelsfahrt gewesen sein. Viele davon brachten Wein nach Venedig von wo aus er auch über die Alpen verkauft wurde. Hilfreich war dafür eine Erfindung aus Tyros viele Jahrhunderte zuvor. Im 1. Jahrhundert vor Christus kam ein findiger Glashandwerker in der Gegend um Tyros auf die Idee, ein Rohr in den Schmelztiegel zu stecken und etwas Schmelze zu entnehmen und - das war das Geniale - in das Röhrchen zu blasen; was dabei herauskam, war die Erfindung der Glasbläserei. Diese Kunst war seitdem perfektioniert und hatte auch in den Handel Einzug gehalten. Überwiegend wurde Wein zwar in Fässern transportiert, doch besonders gute Weine erfuhren schon früh die Flaschenfüllung. Die Ausgrabungen des konservierten Pompeij sind bester Beleg hierfür. Wie so Vieles verschwand die Glaskunst im Mittelalter und kam erst im Italien des 13. Jahrhunderts (in Venedig) zu neuer Blüte.

Bis heute wird in der Region des historischen Byblos, Tyros und Sidon bester Wein an- und ausgebaut.